Die Bewohner seit 1877

Häuser werden gebaut, um darin zu leben. Wieviele menschen lebten denn in der Darmstädter Straße 50 und was wissen wir über sie? Dieser Abschnitt soll diese Menschen - die Anzahl der Bewohner - kurz vorstellen. Hier ist zu beachten, dass insbesondere die Bewohner der letzten Jahre anonymisiert wurden (A1 - A4) und Details nicht genannt werden, um den Datenschutz zu respektieren. Die Anzahl der Bewohner, die sich aus den Unterlagen ermitteln ließen, lautet... Lesen Sie selbst!


Die Bewohner Anzahl

Adam und Katharina Treiber (1877 – 1888)
Erbauer und Erstbewohner war "Johann Adam Treiber zu Bensheim und seine Frau Katharina Stephani, geb. Birkhard", die mit ihren Kindern – mindestens 2 – das Haus bewohnt haben müssen. Weitere Angaben aus der Zeit vor 1888 lassen sich aus dem Nachlass der Familie Stoll nicht ermitteln.

4

Franz Xaver, Katharina und Joseph Stoll
Aufgrund der vorliegenden Kaufverträge und Unterlagen, die auf die Zwangsversteigerung des Anwesens, initiiert durch Karl Friedrich Klein aus Birkenau, verweisen, ist bekannt, dass der Gymnasialoberlehrer Professor Dr. Franz Xaver Stoll (1834 – 1902) und seine Frau Katharina, geb. Mohr (1840 – 1917) und deren Sohn Joseph Stoll (1879 – 1956) 1889 in das Anwesen einzogen.

Zuvor wohnte die Familie unmittelbar am Marktplatz in Bensheim, wobei Franz Xaver Stoll bereits seit 1856 als Lehrer am örtlichen Gymnasium, also in der dem Anwesen unmittelbar gegenüber liegenden Schule Dienst tat. Es muss sich also um eine günstige Gelegenheit gehandelt haben, als Stoll sich nur wenige Meter von seinem Arbeitsplatz das großzügige Grundstück nebst Haus leistete.

Als Franz Xaver Stoll am 08. Januar 1902 an einem Schlaganfall in seinem Haus verstarb, wurde das Anwesen an seine Frau vermacht und fiel anschließend, nach dem Tode Katharina Stolls am 25. Februar 1917 an den gemeinsamen Sohn Joseph Stoll.

3

Das "Fräulein"
Aus Postkarten des Ersten Weltkriegs, an dem Joseph Stoll als Kriegsfreiwilliger teilnahm, lässt sich schließen, dass aufgrund des schlechten Gesundheitszustands seiner Mutter eine Pflegekraft zeitweise im Hause Stoll gewohnt haben muss. Es existiert ein Bild, welches diese drei Personen im Garten des Hauses um 1916 zeigen.

1

Frau Neymeier
Bevor das Dachgeschoss an Artur Post vermietet werden konnte und er seinen Mietvertrag, insbesondere einige veränderte Klauseln, unterschrieb, verwies er auf eine für ihn nicht hinnehmbare Sachverhalt. Im Anwesen scheint ein Zimmer an Frau Neymeier vermietet gewesen zu sein, welche auch während des Mietverhältnisses Artur Posts, dort wohnen bleiben sollte. Es scheint, dass dem Anliegen Posts stattgegeben wurde und er die Räumlichkeiten anschließend alleine nutzen konnte.

1

Artur Post
Aus dem Jahre 1918 liegen zwei Dokumente vor, die in vielfältiger Weise Aufschluss über die Vermietung, die Ausstattung, die Nutzung und Kosten der oberen Zimmer geben. Dies ist zum einen ein Mietvertrag, unterzeichnet am 16. Februar 1918 und beginnend am 1. April 1918 von Artur Post und ein Schreiben von Artur Post an Joseph Stoll, vom 25. Dezember 1918, welches Veränderungen der Mietklauseln des bestehenden Mietvertrages behandelt.

Vermietet wurden alle 5 Räume des Dachgeschosses, 1 Kammer (Abstellräume neben den beiden südlichen Räumen, 1 Küche (im Keller), Keller und Bodenraum. In einem Zusatz wird die Mitbenutzung der in diesen Räumen befindliche Wasserleitung (Keller) ebenfalls erwähnt.

Der Mietzins beträgt 187,50 Mark zuzüglich des Elektrizitätsverbrauchs, „der Kosten für Zähler und Messer, die Kehrichtabfuhr, der Schornsteinreinigung und der Reinigung des Trottoirs“.

1

Max und Anna Kirchbach
Nach dem Tode seiner Mutter vermietet Joseph Stoll sein Elternhaus, oder vielmehr die obere Etage, an ein junges Ehepaar aus Frankfurt, während er selber in der unteren Etage wohnt. Es scheint dabei ein Zusammenhang zwischen Herrn Artur Post – Besitzer des „Brüder Post Konservatorium – Hochschule für Musik“ aus Frankfurt – und der Familie Kirchbach bestanden zu haben, fordert Herr Post von Joseph Stoll den Einzug des Ehepaares in die von ihm angemieteten Räumlichkeiten zum 1. Januar 1919.

Beide werden am 31.12.1918 in Bensheim unter der Adresse „Darmstädter Straße 50“ gemeldet . Max Kirchbach (1872 – 1927) war Musiker und stammte aus einer Künstlerfamilie. Er wurde, während sein Vater Direktor Kunstakademie in Santiago de Chile war, in Santiago de Chile geboren und kehrte mit diesem 1875 nach Deutschland zurück.

Während sich seine Spur verliert, lebt seine Frau, Anna Kirchbach (1891 – 1979) bis kurz vor ihrem Tode in der oberen Etage des Anwesens. Nach einer kurzen Zeit in einem Altenheim in Groß-Rohrbach verstirbt sie und wird im Familiengrab der Familie Stoll / Stoll-Berberich beigesetzt.

Frau Anna Kirchbach lebte somit rund 60 Jahre im Anwesen der Familie Stoll, wobei sie in ihrem Testament „den größten Teil ihres Inventars Familie Stoll bzw. Stoll-Berberich […] als Ausgleich für geringe Mietzahlungen übereigne[te]“.

Der Nachlass umfasst auch einige Partituren von Max Kirchbach sowie Dokumente und Kunstwerke seiner ebenfalls als Künstler und Schriftsteller agierenden Brüder Ernst Wolfgang und Johann Frank Kirchbach.

Bezüglich des Mietzinses lassen sich in den vorliegenden Akten zwei Angaben finden. Zum einen nennt der Mietvertrag von 1918 als monatliche Miete 187,50 Mark und zum anderen weist ein Schreiben an das Finanzamt von 1934 den Betrag von 352,- Mark für die monatliche Miete aus.
2

Egon, Maria, S. und J. Stoll-Berberich
Im Oktober 1945 kehrten Egon und Maria Stoll-Berberich zusammen mit ihren Kindern zwei Kindern nach Bensheim zurück.

Die Familie teilte sich nun bezüglich der Wohnräume auf. Während die Großeltern (Joseph und Margarethe Stoll) im Erdgeschoss im südwestlichen Schlafzimmer schliefen, schliefen die Eheleute Stoll-Berberich im mittleren Zimmer auf der Ostseite des Hauses, die Kinder schliefen im nordöstlichen Zimmer. Zudem hatten die Eheleute Stoll noch das südöstliche Zimmer als "Aufenthaltsraum", also als eine Art Wohnzimmer für beide Familien.

Frau Anna Kirchbach wohnte weiterhin im Dachgeschoss.
4

Einquartierungen
Bedingt durch die Wohnungsnot nach dem Krieg wurden im Hause Stoll zusätzlich Personen ab Mai 1945 einquartiert. Dies geschah nicht ohne Probleme, wie ein ausführliche Briefwechsel zwischen der Familie Stoll / Stoll-Berberich und den zuständigen Behörden und Amtsträgern zeigen.


Einquartierung - Familie R.
Seit Mai 1945 bewohnte das Ehepaar R. das nordwestliche Zimmer der 1. Etage. Zudem stand der Familie die Benutzung der Küche zu. Am 5. Januar 1946 (fälschlicherweise trägt das Schreiben des Bürgermeisters die Jahreszahl 1945) wurde die Familie Stoll verpflichtet, ein weiteres Zimmer, nämlich den durch die Kinder der Familie Stoll-Berberich belegten Raum, an die Familie R. abzugeben. Obendrein wurde ein Bett beschlagnahmt, welches ebenfalls den Einquartierten zugesprochen werden sollte. Selbst die Abgabe eines Bettes stellt die Familie Stoll / Stoll-Berberich vor erhebliche Probleme, wie Margarete Stoll an den Landrat schreibt:

"[…] Ein komplettes Bett kann ich nicht abgeben, weil insgesamt nur 3 Betten und 2 kleine Kinderbetten vorhanden sind, von denen 1 Bett und die beiden Kinderbetten von dritten Personen geliehen sind.[…]"

Die Wohnumstände, die durch die Einquartierung der Familie R. und der Familie F., geherrscht haben, werden in den Briefen der Familie Stoll / Stoll-Berberich an die Behörden eindringlich beschrieben. So schreibt Egon Stoll-Berberich an das Wohnungsamt Bensheim:

"[…] Als ich vor nunmehr 2 Jahren mit meiner Familie in meine Heimat zurückkehrte, meldete ich seinerzeit sofort dem hiesigen Wohnungsamt, daß mir das von der Familie R. bewohnte Zimmer in meiner elterlichen Wohnung wieder zur Verfügung gestellt werden müsse, da ich es dringend als Wohnküche benötige. (Dies war bereits beim Einzug der Familie R. im Mai 1945 festgelegt worden.) Seit dieser Zeit standen und stehen mir heute noch lediglich 2 Zimmer mit insgesamt 28 qm zur Verfügung, von denen dazu noch jedes Zimmer 4 Öffnungen (Türen bzw. Fenster) hat, sodaß praktisch nichts gestellt werden kann. Seit 2 Jahren habe ich nun keinen Raum, mir überhaupt einen Tisch aufstellen zu können, seit 2 Jahren habe ich keine Küche (Ich war die ganze Zeit darauf angewiesen, als 3. Familie in einer 8 qm großen Behelfsküche im Keller zu vegetieren) seit 2 Jahren habe ich kein abgeschlossenes Schlafzimmer, da zum nebenan liegenden Wohnzimmer meiner Eltern keine Tür vorhanden ist und jeder Besuch durch mein sog. Schlafzimmer muß, seit 2 Jahren appeliere ich laufend an die Vernunft und Einsicht der Wohnamtsleitung […]. Bisher hat sich kein positives Ergebnis gezeigt, obwohl mir der jeweilige Leiter des Wohnungsamtes stets versicherte, daß in meinem Falle kaum die primitivsten Voraussetzungen für eine wohnfähige Behausung erfüllt seien […]".

In einem weiteren Schreiben, dieses Mal an das Kreiswohnungsamt in Heppenheim, stellt Egon Stoll-Berberich die Lage mit den Worten dar:

[…] Seit nunmehr über 2 Jahren hausen wir mit 5 Haushaltungen in dem Einfamilienhaus meiner Eltern. Da nur eine Küche im Kellergeschoss vorhanden ist, die durch 2 Haushaltungen (Kirchbach / F.) des Dachgeschosses benutzt wird, sind die 3 anderen Haushaltungen auf gemeinsame Benutzung einer ebenfalls im Kellergeschoss neben der Toilette befindlichen Behelfsküche von etwas über 8 qm angewiesen. Mir stehen mit meiner Frau und 2 Kindern (Mädchen 7, Junge 5 Jahre) 2 Schlafräume zur Verfügung. Raum zum Aufstellen eines Tisches ist in diesen Zimmern jedoch nicht vorhanden, sodaß wir nicht einmal unsere Mahlzeiten in der Wohnung einnehmen können […]. Um all diesen unhaltbaren Zuständen abzuhelfen, bin ich dringend auf Einrichtung einer Küche angewiesen, die nur in dem z.Z. von Familie R. bewohnten Raum eingerichtet werden kann. […]"
2

Einquartierung - Familie F.
Auch wenn der genaue Einzugstermin der einquartierten Familie Willy F. sich nicht ermitteln lässt, so scheint aufgrund des umfassenden Schriftverkehrs zwischen der Familie Stoll / Stoll-Berberich und den Behörden festzustehen, dass die gesamte obere Etage – trotz der beengten Verhältnisse der Wohnungseigentümer – seit Mai 1945 zusätzlich durch die Familie F. und die bereits zuvor dort wohnende Anna Kirchbach bewohnt wurde. Anhand eines Schreibens vom 29. August 1949 wird die obere Etage, vielmehr die zwei bewohnten Zimmer der Familie F., frei. Allerdings wurden die Räume weiterhin "als Wohnraum erfasst (beschlagnahmt)" und standen somit den Wohnungseigentümern nicht zur Verfügung

2

Einquartierung - Familie B.
Vermutlich wurde nach dem Auszug der Familie F. die freiwerdende Wohnung an die Familie B. weitervermittelt, da in einem Schreiben der Wohnungsbehörde der Stadt Bensheim an die Eheleute Stoll vom 28. September 1953 die von Familie B. bis zu diesem Zeitpunkt bewohnten Räume nun der Familie Stoll zugeteilt wurden.
2

S. Stoll-Berberich mit Ehemann und Tochter
Bis 1973 lebte die Tochter der Eheleute Stoll-Berberich mit ihrem Ehemann, Norbert, der 1962 in das Anwesen mit einzog, und ihrem Kind im Dachgeschoss. 1972 zog die Familie aus, das Haus war nun aufgrund des Todes Margarethe Stolls und durch den Bau des neuen Hauses, in dem nun Egon und Maria Stoll-Berberich wohnten, verwaist.
2

Die Geschwister Reuter
Die Geschwister Reuter zogen 1973 in das Anwesen. Hierüber liegen allerdings keine Unterlagen mehr vor.
2

Familie S.
Familie S. bezog das Anwesen zu dritt. Es liegen keine Unterlagen mehr vor.
3

Der "Spanier"
Mitte der 1980er Jahre zog eine spanische Familie mit drei Personen in das Haus.
3

Die "Stewardessen"
Aufgrund der guten Anbindung Bensheims an den Großraum Frankfurt und auch an den Flughafen Frankfurt wählten zwei befreundete Flugbegleiterinnen Haus No. 50. Weitere Informationen liegen nicht mehr vor.
2

Familie A1.
Familie A1 bezog die Darmstädter Straße am 15. November 1996. Der Mietzins betrug 1996 1.300,- DM, zwei Jahre später, also 1998, 1.400,- DM und ab 2000 1500,- DM.
2

Familie A2.
Familie A2, bestehend aus Vater mit seinem Sohn und seinem Bruder bezogen das Anwesen am 1. Dezember 2001. Die Miete betrug zu Vertragsbeginn 1450,- DM. Im Oktober 2003 zog die damalige Lebensgefährtin von Herrn J. zu.
3 + 1

Familie A3.
Am 13. Februar 2005 bezog Familie A3.das Haus mit insgesamt 4 Personen. Während ihrer Mietzeit erhielt das Haus die bis heute eingesetzte Niederbrennwertheizung und die dazugehörige Zentralheizung. Die aufwendigen Arbeiten wurden kurz nach ihrem Einzug abgeschlossen. Die Nettomiete betrug 790,- Euro.
4

Familie A4.
Am 1. Mai 2012 zog Familie A4 mit 5 Personen in das Anwesen. Der zu Beginn festgesetzte Mietzins betrug 820,- Euro.

5

Mindestzahl der im Haus wohnenden Personen (1877 - heute):

49